Auch das Jubiläumsjahr 1971 – 25 Jahre SV Völkersbach und jetzt mit 242 Mitgliedern der größte Verein des Ortes – brachte die Wende nicht. Nur schwer ließen sich die Vereinsämter besetzen und die Sitzungsprotokolle klagen über spärliche Beteiligung und fehlendes Interesse an der Vereinsarbeit. Selbst der Trainingsbesuch der Fußballer war unzureichend, was in logischer Konsequenz Platzierungen im unteren Tabellendrittel bedeutete. Die angespannte Wirtschaftslage verbunden mit Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit schlug sich zusätzlich auch im Vereinsleben nieder.
Ein Lichtblick zur damaligen Zeit war die auf Initiative von Isolde Wipfler, des amtierenden 1. Vorstandes, Ludwig Berner, des 2. Vorstandes, Karl Wipfler, sowie der gesamten Verwaltung im November 1972 gegründeten Damenriege.
Im Jahr 1976 ging diese lange Durststrecke mit vielen Höhen und Tiefen endlich zu Ende. Fußballerisch und vereinspolitisch werden historische Meilensteine gesetzt. Ein Punktegleichstand mit dem TSV Palmbach am Ende der Saison 1975/76 bedeutete ein Entscheidungsspiel.
Wer wird Meister?
Viele stellten sich die Frage, sehr viele, und so kamen sie alle, alle, die ihren SVV in diesem schweren Spiel unterstützen wollten. Insgesamt über 1 000 Zuschauer wollten sich dieses Spektakel auf neutralem Platz in Etzenrot nicht entgehen lassen. Die Minuten vor dem Spiel gehörten dem Fan-Club des SVV, der mit lautstarkem Gesang auf sich Aufmerksam machte. So dröhnten ihre Songs wie „Elmar lass die Löwen los” oder „Völkersbach wird Meister” durch das weite Rund. Dann kam Unruhe auf, brausender Beifall ertönte als die Mannschaften in ihren farbenfrohen Trikots einliefen. Völkersbach in orange/schwarz und Palmbach in grün/weiß. Unter der Leitung von Schiedsrichter Herbert Gamer und seinen Linienrichtern Nagel und Föll begann das große Spiel. Ein Spiel, das schon von der äußeren Kulisse her in seiner Spielklasse wohl einmalig war.
Bereits in der ersten Spielminute ging der TSV Palmbach nach einem Fehlpass durch Rainer Daum aus heiterem Himmel in Führung. War nun schon alles vorbei? Ganz im Gegenteil. Die Fans gaben ihre Mannschaft nicht auf und immer lauter tönten ihre Anfeuerungsrufe. Von dieser Stimmung beflügelt verdauten die Spieler den Schock des frühen Rückstandes und spielten wieder munter auf, was gegen Mitte der ersten Halbzeit nach einer traumhaften Kombination schließlich mit dem Ausgleich durch Klaus Wipfler belohnt wurde. Nach der Halbzeit erkämpfte man sich die größeren Spielanteile und so führte eine Steilvorlage gegen Mitte der zweiten Halbzeit zur 2:1 Führung durch Klaus Daum. Palmbach setze nun alles auf eine Karte und ein Sturmlauf auf das Völkersbacher Tor begann. Unser Torhüter Rudi Schmidt wuchs über sich hinaus und begeisterte die Zuschauer immer wieder mit herrlichen Paraden. Die Hintermannschaft stand gut und konnte immer wieder Konter einleiten, die jedoch zu keinem Erfolg führten. Schließlich ertönte der Schlusspfiff und der Jubel kannte keine Grenzen mehr. Völkersbach gewinnt mit 2:1, ist Meister und steigt in die A-Klasse auf.
Plötzlich klingt Musik auf: „So ein Tag, so wunderschön wie heute”. Zur Überraschung aller hatte der Völkersbacher Musikverein seine Instrumente dabei und brachte dem neuen Meister ein Ständchen, der anschließend auch offiziell geehrt wurde. Der Vorsitzende des TSV Etzenrot, Herr Schindler und der Staffelleiter Herr Englert, beglückwünschten die siegreiche Mannschaft. In der Kabine knallten schnell die ersten Sektkorken und nach dem Duschen startete ein triumphaler Siegeszug in Richtung Heimat. Wer wird diesen Sonntag je vergessen?
Die Völkersbacher Sportbegeisterung geht jetzt endlich wieder aufwärts. Die Euphorie nutzend und wieder mit selbstbewusstem Tatendrang, wird das nächste Großprojekt anvisiert: Ein neues Clubhaus, den gewachsenen Ansprüchen genügend. Wieder ist tatkräftige Eigenleistung aller Vereinsmitglieder gefordert und so erfolgt 1977 der Spatenstich für das neue Vereinsheim. Das Engagement, welches man in dieser Zeit in den Bau investierte, nahm man offensichtlich vom Spielbetrieb. Wieder stark reduzierter Trainingsfleiß und zügellose Disziplinlosigkeiten auf dem Sportplatz, garantieren in der Saison 1979/1980 den Wiederabstieg in die B-Klasse. Auch das Referat von Karl Wipfler für alle Aktiven zum Thema Fußballregeln, mit der Zielsetzung Verstöße und Strafen auf dem Spielfeld zu verringern, zeigte keine Wirkung. Dreizehn gesammelte Zähler in der gesamten Spielrunde waren am Ende einfach nicht genug.
So besaß der Sportverein zu Beginn der achtziger Jahre ein großräumiges Clubhaus, aber auch eine finanzielle Schuldenlast in gleicher Höhe. Die Haushaltsplanung wurde in diesen Jahren zur Gratwanderung, Aktionen wie Abrissarbeiten oder Komparsen-Auftritte, hielten den Verein finanziell jedoch über Wasser. Das Protokollbuch vermerkte im November 1981: „... gibt zu bedenken, dass der eigentliche Vereinssinn augenblicklich gefährdet ist. Das Hauptaugenmerk muss vom Vorstand auf finanzielle und nicht auf sportliche Dinge gerichtet werden. Der Sinn unseres Vereins und die Förderung der Jugend sollten im Vordergrund stehen!”